Acids that Accelerate Sustainability

Acids that Accelerate Sustainability

Die hier gezeigten Zahlen und Abbildungen beziehen sich auf das Berichtsjahr 2019 und somit auf die damalige OXEA

Carbonsäuren sind die Hidden Champions der Chemieindustrie. Sie kommen in vielen verschieden Anwendungen und Marktsegmenten zum Einsatz – entweder als Edukt oder als Endprodukt. So bilden sie z.B. die Basis für die Herstellung von umweltfreundlichen Schmierstoffen für Klima/Kühlanlagen oder werden als Zusatz in antibiotikafreiem Futtermittel in der Tierfütterung eingesetzt. Weil viele Unternehmen die Säuren zur Entwicklung von Lösungen für eine nachhaltigere Zukunft benötigen, steigt die Nachfrage sprunghaft an. OXEA unterstützt dieses Wachstum durch den Bau einer neuen Anlage in Oberhausen, Deutschland. Sie wird die Produktionskapazität für Carbonsäuren ab 2021 konzernweit um mehr als 30 Prozent erhöhen.

Farmer und Fleischproduzenten auf der ganzen Welt dürften sich noch heute an die Schrecksekunde erinnern, die sie am 11. Dezember 2018 erlebten. An diesem Tag verkündete eine große Fastfood-Kette, in Zukunft nur noch Rindfleisch von Lieferanten verarbeiten zu wollen, die den Einsatz von Antibiotika auf das Nötigste beschränken. Die Maßnahme ist eine von vielen Schritten, mit denen das Unternehmen auf die schlechte Publicity der vergangenen Jahre und ein verändertes Nachfrageverhalten der Verbraucher reagiert. So testet der Konzern in Kanada gerade die Erfolgsaussichten von Burgern auf Pflanzenbasis. Außerdem wird seit 2019 in allen europäischen Filialen nur noch Fleisch von Hähnchen verwendet, die keine für Menschen reservierte Antibiotika bekommen.

 

Die Signalwirkung dieser Maßnahmen ist enorm, denn sie zeigt, dass der übermäßige Einsatz von Antibiotika als Wachstumsbeschleuniger längst kein Randthema mehr ist. Zudem erhöht sich der Druck auf die Fleischbranche, geeignete Ersatzstoffen in der Tierfütterung   zu verwenden, wenn sie weiterhin erfolgreich sein will.

 

n-Buttersäure AF: Helfer in der antibiotikafreien Tierfütterung

Lange suchen nach solch einem „Helfer“ für eine antibiotikafreie Tierfütterung müssen Fleischerzeuger nicht. Den gibt es nämlich bereits. Und zwar in Form der Carbonsäure n-Buttersäure AF. Deren Salze und Ester, sogenannte Butyrate und Butyrine, nutzen Futtermittelhersteller in ihren Produkten zur Fütterung von Kälbern, Schweinen, Geflügel und Aquakulturen. n-Buttersäure AF fördert die Aufnahme von Nährstoffen aus dem Futtermittel und somit das Wachstum der Tiere.

 

OXEA gehört zu den weltweit größten Produzenten von n-Buttersäure in Animal-Feed-Qualität (AF), die nicht nur die Gesundheit von Nutztieren fördert, sondern auch die des Menschen. Der Grund: In vielen Ländern werden Antibiotika vorrangig nicht etwa zur Heilung kranker Tiere eingesetzt, sondern als kostengünstige Leistungsförderer, die für eine schnelle Gewichtszunahme sorgen bzw. die Erkrankung von Tieren verhindern, die auf engstem Raum gehalten werden. Die Nebenwirkungen dieser in der EU mittlerweile stark regulierten „Therapie“ sind allerdings hochgefährlich – vor allem für die Erdbevölkerung. Nach Angaben der EU-Kommission sterben jedes Jahr weltweit über 700.00 Menschen an Infektionen, deren Erreger inzwischen gegen bestimmte Antibiotika resistent sind.

 

„Unsere n-Buttersäure AF hilft der Futtermittelindustrie bei der Entwicklung von nachhaltigen Lösungen, mit denen Bauern den Einsatz von Antibiotika ohne Produktivitätsverluste auf das Nötigste begrenzen können“, erklärt Kyle Hendrix, Global Commercial Director for Carboxylic Acids and Derivatives bei OXEA. 

Verantwortlich dafür sind spezifische Eigenschaften der Buttersäure-Derivate, die sich positiv auf das Tierwohl auswirken – und damit auch eine schnelle Gewichtszunahme fördern. Beigemischt im Tierfutter entfalten sie eine anti-entzündliche Wirkung, die ernährungsbedingten Erkrankungen und Salmonelleninfektionen vorbeugt. Gleichzeitig verbessern sie die Darmflora und damit auch die Nährstoffaufnahme. Außerdem sind keine Wechselwirkungen mit anderen Zusatzstoffen bekannt. Damit verringern die Salze und Ester der Buttersäure das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen oder Produktionsausfällen.

 

Von diesen Vorteilen sind zunehmend auch die Fleischerzeuger überzeugt. So ist der Einsatz von Antibiotika in Landwirtschaftsbetrieben der Europäischen Union sowie in den USA zwischen 2015 und 2017 um rund 15 Prozent zurückgegangen – Tendenz: weiter fallend. „Vor allem in Asien und Amerika zieht die Nachfrage nach n-Buttersäure AF spürbar an“, sagt Kyle Hendrix.

 

Neue Produktionsanlage unterstützt nachhaltiges Wachstum

OXEA begleitet dieses Wachstum durch den gezielten Ausbau der Produktionskapazitäten für Carbonsäuren. Das Unternehmen folgt damit einer selektiven Wachstumsstrategie, die sich auf die Herstellung von Ersatzstoffen für als bedenklich eingestufte oder streng regulierte Inhaltsstoffe konzentriert.


„Unser Ziel war es, die Produktion in Marl schnell und kostengünstig um 15 Prozent zu erweitern – und genau das haben wir auch geschafft.“


Stefan Frentzen Standortleiter Marl, OXEA

Zur Verbesserung der weltweiten Versorgungslage sorgte OXEA zunächst am deutschen Standort Marl für eine schnelle Produktionsausweitung mit kosteneffizienten Maßnahmen, die auch den ökologischen Fußabdruck der dortigen Anlage verkleinerten. Dazu wurde ein ungenutzter, etwa 10.000 Liter großer Tank reaktiviert, mit dem sich die Produktionsdauer der jeweiligen Carbonsäuren verlängern lässt. Die Effekte: weniger Spülverluste, weniger Umstelltage und damit auch weniger Verlustzeiten. Zudem erfolgen Produktwechsel jetzt nicht mehr manuell, sondern automatisiert über Prozessleitsysteme und abgesicherte Umschaltventile, die mögliche Kontaminierungen verhindern und die Prozesssicherheit erhöhen. „Unser Ziel war es, die Produktion in Marl schnell und kostengünstig um 15 Prozent zu erweitern – und genau das haben wir auch geschafft“, sagt Standortleiter Stefan Frentzen.

 

Eine wichtige Rolle beim Ausbau der Carbonsäureproduktion von OXEA spielt auch der Neubau einer hochmodernen Großanlage am knapp 40 Kilometer entfernten Standort in Oberhausen. Nach der Inbetriebnahme Ende 2021 wird die Anlage die konzernweite Produktionskapazität für Carbonsäuren um mehr als 30 Prozent erhöhen. „Der Kapazitätsausbau ist ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit unserer Kunden, die mit umweltfreundlichen Lösungen weiterhin wachsen wollen“, sagt Klaus Schmid, Leiter Produktion Oberhausen.

 

„Der Kapazitätsausbau ist ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit unserer Kunden, die mit umweltfreundlichen Lösungen weiterhin wachsen wollen.“

Klaus Schmid, Leiter Produktion Oberhausen, OXEA

Isononansäure: Ausgangsstoff für ein besseres Klima

Eine der Carbonsäuren, deren Produktion in Oberhausen in großem Maßstab ausgeweitet wird, ist Isononansäure. Wie n-Buttersäure AF, gehört auch sie zu den Carbonsäuren mit großem Potenzial für die Umwelt – wenn auch in einem ganz anderen Anwendungsbereich. 

 

„Durch die strenge regulatorischen Anforderungen ist der Bedarf an synthetischen Schmierstoffen für umweltfreundliche Kühltechnik stark gestiegen.“

Kyle Hendrix, Global Commercial Director for Carboxylic Acids and Derivatives, OXEA

Isononansäure dient als Ausgangsstoff für synthetische Schmierstoffe, die zum störungsfreien Betrieb von Kompressoren in hochmodernen Klima- und Kühlanlagen benötigt werden. Diese Anlagen der nächsten Generation arbeiten ohne klimaschädliche Kältemittel und spielen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung verschiedener Klimaabkommen, insbesondere der Kigali-Vereinbarung, die seit Januar 2019 in Kraft ist. Darin haben sich 197 Länder und Staatengemeinschaften darauf verständigt, den Gebrauch teilfluorierter Kohlenwasserstoffe (HFKW) schrittweise um bis zu 85 Prozent zu verringern. Anders als das längst verbotene FCKW schädigt HFKW zwar nicht die Ozonschicht. Allerdings hat das Kältemittel ein Treibhauspotenzial, das bis zu 14.800 Mal stärker wirkt als CO2.

„Durch die strenge regulatorischen Anforderungen ist der Bedarf an synthetischen Schmierstoffen für umweltfreundliche Kühltechnik stark gestiegen“, erklärt Kyle Hendrix. „Daran wird sich auch in Zukunft kaum etwas ändern, weil der wirtschaftliche Aufstieg der Menschen in Ländern wie Indien oder China die Nachfrage nach umweltgerechten Lösungen für die Gebäudeklimatisierung und Industriekühlung weiter erhöhen wird.“

 

Wie groß das Wachstumspotenzial für die nächsten 30 Jahre sein könnte, zeigt eine Studie der Internationalen Energie-Agentur (IEA). Sie prognostiziert für das Jahr 2050 einen weltweiten Anstieg des Bedarfs an Raumklimageräten von 250 Prozent gegenüber 2016. Den größten Sprung wird laut Studie der IEA Indien machen: Hier soll sich der Bedarf um 4100 Prozent erhöhen.

„Geschwindigkeit ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor“

Herr Dr. Balzarek, die neue Großanlage zur Produktion von Carbonsäuren in Oberhausen geht Ende 2021 in Betrieb. Sind Sie schon ungeduldig?

Christoph Balzarek: Definitiv ja, auch wenn wir gut im Zeitplan liegen. Trotzdem spielt der Faktor Geschwindigkeit beim Ausbau unserer Produktionskapazitäten eine entscheidende Rolle. Die Nachfrage nach Carbonsäuren entwickelt sich sehr dynamisch. Das bedeutet: Geschwindigkeit ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Deshalb drücken wir auch stark aufs Tempo, damit wir das weitere Wachstum unserer Kunden durch eine erhöhte Verfügbarkeit unserer Produkte unterstützen können.

 

Die größten Wachstumsmärkte für synthetische Schmierstoffe und Tierfuttermittel zur antibiotikafreien Leitungsförderung liegen aktuell in den USA und in Asien. Warum hat sich OXEA trotzdem für Oberhausen entschieden?

Auf den ersten Blick erscheint es logisch, den Säureausbau dort voranzutreiben, wo auch die Endabnehmer sitzen. Das ist aber nur ein Aspekt von vielen, die wir bei der Standortauswahl analysieren. Beispielsweise berücksichtigen wir klimatische Risiken wie auch den Ausbildungsstand und die Anzahl der vorhandenen Arbeitskräfte. Genauso wichtig sind das Abfallmanagement sowie eine gute Verfügbarkeit und kurze Transportwege bei den Rohstoffen. Am Ende hat sich gezeigt, dass Oberhausen die besten Voraussetzungen bietet. Aufgrund der gut ausgebauten Infrastruktur können wir unsere Säurekapazitäten in Oberhausen deutlich schneller ausbauen als zum Beispiel in China. Außerdem erreichen wir hier die nötigen Skaleneffekte.

 

„Das Säuregeschäft ist für uns ein wesentlicher Wachstumstreiber.“

Christoph Balzarek, Vice President Innovation and Technology, OXEA

Wie bewerten Sie die Nachhaltigkeit Ihrer Investition in den Säureausbau?

Das Säuregeschäft ist für uns ein wesentlicher Wachstumstreiber. Die Kapazitätserweiterung in Oberhausen ist also nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Standortsicherung, sondern auch ein Beispiel für unsere selektive Wachstumsstrategie in Märkten mit besonders großem Potenzial. Dabei reden wir von einer langfristigen Perspektive von deutlich mehr als zehn Jahren. Denn mit unserem Säureangebot fördern die Entwicklung von dringend benötigten, innovativen Lösungen in Märkten, die zunehmend reguliert werden und von einer wachsenden ökologischen Sensibilität der Verbraucher geprägt sind. All das macht unseren Säureausbau in mehrfacher Hinsicht zu einer nachhaltigen Investition – nämlich ökonomisch und ökologisch.

 

Dr. Christoph Balzarek ist bei OXEA für die Weiterentwicklung der Herstellerprozesse sowie des Produkt- und Anwendungsportfolios verantwortlich. Zu den Hauptaufgaben des Chemikers und erfahrenen Business Managers gehört die systematische Steuerung und technische Umsetzung von kundenzentrierten Innovationen wie dem aktuellen Säureausbau.